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Zeugniswissen

Arbeitszeugnisse können verschlüsselte Botschaften enthalten, die das nächste Unternehmen über die wahren Qualifikationen des Bewerbers unterrichten. Diese verschlüsselten Botschaften, auch Zeugniscodes genannt, sind aus der Not heraus entstanden. Einerseits, sagt die deutsche Rechtsprechung, muss das Zeugnis „wohlwollend formuliert sein und darf den Beurteilten nicht im Weiterkommen behindern“, andererseits gibt es eine „Haftung für den Aussteller eines Zeugnisses, wenn er wissentlich eine falsche Beurteilung abgibt und einem anderen Unternehmen dadurch Schaden entsteht“. So entstand im Laufe der letzten Jahrzehnte eine eigene Zeugnissprache, die ohne Vorkenntnisse auf den ersten Blick nicht zu entschlüsseln ist.

Für ein Unternehmen ist es wichtig, diese Zeugnis-Codes zu kennen, damit nicht ausversehen jemand ins „AUS“ geschrieben wird. Auch sollte man sich der Verantwortung bewusst sein, denn ein Arbeitszeugnis begleitet einen Arbeitnehmer ein Arbeitsleben lang. Es wird auch nach Jahrzehnten noch gelesen und sein Inhalt entfaltet auch dann  noch seine Wirkung.

Inhalt und Aufbau eines Arbeitszeugnisses

Es gibt zwar keine DIN-Normen für die Erstellung eines Arbeitszeugnisses, dennoch sind einige Punkte standardisiert.

Das muss alles enthalten sein:

  1. Die Überschrift sollte die Art des Zeugnisses bezeichnen – Arbeitszeugnis, Zwischenzeugnis etc.
  2. Die Eingangsformel enthält die Personalangaben des Arbeitnehmers (Vor- und Nachname, Geburtsdatum und- ort) sowie die Stellenbezeichnung und den Tätigkeitszeitraum.
  3. Bei der Unternehmensskizze (optional) stellt sich das Unternehmen kurz (Branche etc.) vor.
  4. Bei der Beschreibung der Aufgaben werden die Tätigkeiten vollständig, deutlich und übersichtlich (stichpunktartig) dargestellt. Der künftige Arbeitgeber sollte sich ein vollständiges Bild vom Arbeitsplatz und dem Tätigkeitsfeld machen können. Hier steht die Objektivität der Darstellung im Mittelpunkt.
  5. Die Leistungsbeurteilung beinhaltet sowohl das Fachwissen (beruflichen Fachkenntnissen) als auch die Arbeitsweise (Motivation, Arbeitsbereitschaft, Belastbarkeit, Zuverlässigkeit etc.). Auch sind etwaige, vorweisbare Arbeitserfolge des Beschäftigten hervorzuheben. Bei Führungskräften sollten Aussagen zur Führungsleistung getroffen werden.
  6. Das Sozialverhalten beschreibt das Verhalten des Mitarbeiters gegenüber den Vorgesetzten, Kollegen und anderen Mitarbeitern, aber auch gegenüber den Kunden und Geschäftspartnern.
  7. Zeugnisvergabegrund: Warum wird das Zeugnis ausgestellt? Das ist vor allem bei Zwischenzeugnissen wichtig.
  8. Ausscheidegrund: Warum und auf wessen Wunsch wird das Arbeitsverhältnis beendet.
  9. Der Schlusssatz enthält eine Bekundung des Bedauerns und des Dankes für die Zusammenarbeit sowie Wünsche für die Zukunft. Allerdings ist dieser laut Rechtsprechung nicht vom Arbeitnehmer zu verlangen.

Formulierungen

Bei der Bewertung werden zunächst positive Eigenschaften genannt. Allerdings ist die bloße Aufzählung von Eigenschaften ohne einen Hinweis auf die Konstanz (z. B. stets, jederzeit, immer) und eine Steigerung (z. B. sehr, überaus, äußerst etc.) als unterdurchschnittlich zu bewerten.

Beispiele:

  • Note 1: stets zu unserer vollsten/ größten/ äußersten Zufriedenheit
  • Note 2: stets zu unserer vollen Zufriedenheit
  • Note 3: zu unserer vollen Zufriedenheit/ stets zu unserer Zufriedenheit
  • Note 4: zu unserer Zufriedenheit
  • Note 5: insgesamt/ im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit

Im Laufe der Jahre haben sich verschiedene Formulierungen in Zeugnissen durchgesetzt. Ein paar besonders schädliche Sätze finden Sie in der unten angeführten Tabelle. Das Auftauchen eines solchen Satzes im Arbeitszeugnis muss nicht zwangsläufig die angegebene Bedeutung haben. Gerade in kleineren Betrieben kann es leicht aus Unwissenheit des jeweiligen Zeugnisautors zu diesen Formulierungen kommen, ohne dass solch eine Bedeutung beabsichtigt war. Im Zweifelsfalle ist es immer besser, diese Sätze nicht im Zeugnis zu haben, um von vornherein nicht eine derartige Diskussion aufkommen zu lassen!

Zeugnistext Interpretation
Er hat alle Arbeiten ordnungsgemäß/ pflichtbewusst/ ordentlich erledigt. Er war ein Pedant ohne Eigeninitiative.
Das Verhalten gegenüber Mitarbeitern und Vorgesetzten war stets einwandfrei. Er hatte zu den Mitarbeitern ein weit besseres Verhältnis als zu seinen Vorgesetzten. (Übliche Reihenfolge: Vorgesetzte und Mitarbeiter)
Er zeichnete sich insbesondere dadurch aus, dass er viele Verbesserungsvorschläge zur Arbeitsvereinfachung / Erleichterung machte. Da der Zusatz „die von uns übernommen wurden“ fehlt, sind die Vorschläge lediglich zur eigenen Erleichterung gemacht worden oder es handelt sich um einen besserwisserischen Arbeitnehmer.
Er war wegen seiner Pünktlichkeit stets ein gutes Vorbild. Durch die Betonung der selbstverständlichen Pünktlichkeit wird zum Ausdruck gebracht, dass die Arbeitsleistung oder der Erfolg gering waren.
Er ist ein anspruchsvoller und kritischer Mitarbeiter. Er ist sehr egoistisch, besteht auf sein Recht und nörgelt gerne.
Allen Aufgaben hat sich Herr … mit Begeisterung gewidmet. … aber ohne Erfolg.
Er war Neuem gegenüber stets aufgeschlossen. … aber nicht, um es zu integrieren und zu verarbeiten.
Er verfügt über Fachwissen und hat ein gesundes Selbstvertrauen. Geringes Fachwissen, das er mit einer vorlauten Art zu überspielen versucht.
Wir bestätigen gerne, dass Herr… mit Fleiß, Ehrlichkeit und Pünktlichkeit an seine Aufgaben herangegangen ist. … aber ohne fachliche Qualifikation.
Er verstand es, die Aufgaben mit Erfolg zu delegieren und setzte sich für die Förderung der Mitarbeiter ein. Er hat selbst kaum gearbeitet und Mitarbeiter durch Gehaltserhöhungen von Kritik an seiner Person abgehalten.